Traute Eintracht auf dem Lande?
Seit nunmehr geraumer Zeit treiben nazistische Jungmänner in Karlsbad und Umgebung ihr Unwesen (eine unvollständige Chronik ist unter www.red-zak.de.vu einzusehen). Sie selbst subsumieren sich gerne unter dem Label „Karlsbader Kameradschaft“, die mittlerweile weit über den Raum Karlsbad bekannt und aktiv ist. So organisierten sie international beachtete Rechtsrock-Konzerte (z.B. im „König von Preussen“ in Frauenalb) oder tummeln sich am Wochenende gerne auf Nazidemonstrationen im ganzen Bundesgebiet (z.B. Essen, München, Gladenbach, Marburg usw.). Ebenso versuchen sie in Karlsbad den Anspruch einer Hegemonie ihrerseits durchzusetzen Längst entsprechen sie nicht mehr den äußerlichen Klischees (Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel usw.) wie Nazis in den Medien gerne dargestellt werden. Sie sehen oft aus wie normale Jugendliche, was auch nicht weiter verwundert, denn sie sind es: deutsche Jugendliche in einem ganz normalen deutschen Dorf. Längst vorbei sind die Zeiten (die es eh nie gab) in denen Hakenkreuzschmierereien, gewalttätige Übergriffe und sich zu „Kameradschaften“ zusammenschließende Jungmänner Prädikate für ostdeutsche Dörfer waren. Solche ein Szenario ist auch in vielen Dörfern Baden-Württembergs Realität.
In Karlsbad schlägt sich diese Realität unter anderem auch in Form von Wandschmierereien nieder. Angefangen von Hakenkreuzen, über Aufforderungen zu Gewalt gegen Antifaschisten („Antifa – Aufs Maul“) bis zu antizionistischen/antisemitischen Phantasien („Smash Israel“). Die dörfliche Idylle wird durch diese Schmierereien nicht gestört, sondern findet vielmehr in ihr, ihre Entsprechung, auch wenn die Form der Artikulation nicht unbedingt zum Hirschgeweih über dem Sofa passt. Rufen die einen dazu auf, das deutsche Projekt der Vernichtung der Juden zu ihrem Ende zu führen („Smash Israel“), so betrauern die anderen (die Karlsbader Bürger) die Gefallenen der deutschen Wehrmacht, die mit der Waffe in der Hand, dieses Projekt, gegen die herannahenden Armeen der Alliierten, zu schützen versuchten. So geschehen Ende April sowohl im „Karlsbader Mitteilungsblatt“ als auch auf einer Veranstaltung die in der Karlsbader Hauptschule, die u.a. mit dem Karlsbader Bürgermeister Rudi Knodel, stattfand.
„dass wahrscheinlich die Entbarbarisierung auf dem platten Land noch weniger als sonst wo gelungen ist. Auch das Fernsehen und die anderen Massenmedien haben wohl an dem Zustand des mit der Kultur nicht ganz Mitgekommenseins nicht allzu viel geändert.“ (Th.W. Adorno)
Krieg den deutschen Zuständen!
Den dörflichen Konsens stören!
Gruppe „pensée critique“
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